Auf dem Weg zum Krieger

Lukas Stingl aus Königsbrunn und Oliver Zacher aus Neusäß spielen begeistert American Football für die Königsbrunn Ants. Beide trainieren bei den „Bavarian Warriors“ mit den besten Bayerns. Was sie an dem Sport fasziniert.
Von Sabine Zink

In Reih und Glied warten die breitschultrigen Footballer des U 19-Teams der Königsbrunn Ants an der Mittellinie. Sie blicken ihren Gegnern tief in die Augen. Dann ertönt ein Pfiff und die Kontrahenten stürzen sich aufeinander. Was für den Außenstehenden chaotisch aussieht, ist ein durchdachter und oft trainierter Spielzug beim American Football (siehe Infokasten). Und mittendrin sind Oliver Zacher aus Neusäß und Lukas Stingl aus Königsbrunn.

Sie spielen in der „Offensive Line“, gehören zu den Kräftigeren im Team, zu denen, die auch mal zulangen. Beim Football wird die Position laut Lukas vor allem durch den Körperbau bestimmt. Während etwa die flinken Receiver, die Passempfänger, schlank und wendig sein sollten, um Gegnern zu entkommen, ist es für die Offensive Linemen vorteilhaft, groß, breit und schwer zu sein.

Auf die Kraft kommt es an

Durch Lauf- und Passspielzüge tragen die Spieler den Ball auf die andere Seite des Spielfeldes, um dort zu punkten. Der 18-jährige Oliver ist dafür zuständig, den Quarterback, also den Passgeber, vor den gegnerischen Spielern zu schützen und die gegnerischen Spieler aus dem Weg zu räumen, um für den Runningback, den Ballträger, Platz zu machen. Der wird wiederum von Lukas begleitet: „Grob gesagt, bin ich Bodyguard für den Ballträger.“

Beide waren von Anfang an begeistert von dem US-amerikanischen Sport. Oliver absolvierte vor drei Jahren zum ersten Mal ein Probetraining bei den Ants. „Ich habe aufs erste Mal nichts verstanden. Dennoch dachte ich mir sofort: ,Was ein geiler Sport!’, schildert er. Der Schlüsselmoment kam, als der Neusässer lernen sollte, den gegnerischen Ballträger zu Boden zu bringen. Doch Oliver spürte Hemmungen: „Meine Beine zitterten und ich bekam jedes Mal eine auf die Schnauze, weil ich zögerte und der Gegenspieler mich einfach über den Haufen rannte. Mein Trainer sagte mir immer: Hau in einfach um! Der wiegt 40 Kilo weniger als du! “. Als selbst dieser Ansporn nichts brachte, half der damalige Teamkapitän hinter ihm mit einem Schubs einfach nach. „Mein Gegenüber wurde von mir zwei Meter nach hinten gehauen und zu Boden gerissen. Mein Gedanke: ,Ich will noch mal!’“.

Im Training mit den Besten Bayerns

Seine unbändige Motivation brachte Oliver vor Kurzem nach Tannenlohe bei Hof zum Trainingscamp der bayrischen Jugendauswahlmannschaft, den „Bavarian Warriors“. Bei diesen sportlichen Kriegern eignete er sich in nur fünf Tagen jede Menge neue Spielzüge, Techniken und Bewegungsabläufe an, die ihn schneller, stärker, härter und besser machen sollen. „Außerdem habe ich gelernt, wie wichtig es ist, als Team zusammen zu arbeiten und dass man seine Ziele verfolgen soll.“ Deswegen will er nächstes Jahr auf jeden Fall wieder Teil des Teams sein und im Wettstreit mit den Mannschaften aus anderen Bundesländer den Pokal nach Bayern holen.

In das Trainingslager schaffte es auch der Königsbrunner Lukas. „Ich spiele jetzt fünf Jahre und diese Saison hat es für mich endlich geklappt! Es sind eben die besten Spieler Bayerns. Das gab mir den extra Kick“, sagt er lächelnd. Von Konkurrenzdruck spürte er aber nichts. „Beim Football sind wir alle eine große Familie!“

Um sich auf die Übungen bei den Warriors vorzubereiten, legte er noch ein paar Runden im Fitnessstudio ein und fühlte sich auch durch das Training bei den Ants gut auf die sportliche Herausforderung vorbereitet. In den endgültigen Kader schaffte er es dennoch nicht. Das habe auch an der Erfahrung der anderen Teilnehmer, die teilweise zwei Jahre mehr Erfahrung als Lukas aufwiesen, gelegen. Doch nächstes Jahr wolle er unbedingt wieder dabei sein.

Jeder kann den Sport ausüben

Der Weg dahin war allerdings nicht ohne Umwege. „Ich habe nie die richtige Sportart für mich gefunden. Ich habe Einiges probiert – von Schwertkampf bis zum Fußball.“ Eines Tages fuhr er dann mit seiner Mutter an dem Platz vorbei, als das Erwachsenen-Team der Ants gerade trainierte. Und wollte es auch probieren.

Seine Entscheidung hat der Jugendliche bis heute nie bereut. „Jeder kann den Sport ausüben. Deswegen liebe ich ihn!“, betont er. Bei jedem Spiel freut sich Lukas auf eine neue Herausforderung, denn jeder Gegner ist anders.

Team- und Kritikfähigkeit, finden Lukas und Oliver, sind bei diesem dynamischen Sport deshalb unverzichtbar. Denn nur aus Fehlern lernt man. Und nur so bekommt man auch die Chance, zum „Bavarian Warrior“, zum Bayerischen Krieger, zu werden.


Auf dem Weg zum Krieger
lesen auf Augsburger-Allgemeine:
http://www.augsburger-allgemeine.de/schwabmuenchen/Auf-dem-Weg-zum-Krieger-id36120377.html

Schreibe einen Kommentar